Plastikverbot in der EU – was bewirkt es und was sind Alternativen?

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Marcel Ostermann
March 21, 2022 6 min read
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Einwegprodukte aus Plastik verschmutzen Parks, öffentliche Plätze und Straßen und schwimmen in unseren Weltmeeren. Damit soll jetzt Schluss sein! Zumindest wenn es nach der EU geht. Seit dem 3. Juli gilt ein europaweites Verbot für Einwegprodukte aus Plastik.

Aber was genau ist verboten? Wozu braucht es ein Einwegplastikverbot? Welche wirtschaftlichen Folgen und welche Alternativen gibt es? ReUse and Trade klärt auf.

Was ist verboten?

Das Verbot betrifft viele Produkte des alltäglichen Lebens. So ist die Produktion von Einwegbesteck und -geschirr aus Plastik, Trinkhalmen, Rührstäbchen, Wattestäbchen und Luftballons aus Kunststoff nicht mehr erlaubt. Dasselbe gilt für To-Go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essensbehälter aus Styropor. Bereits produzierte Ware kann vom Handel noch vertrieben werden.

Zusätzlich sind Wegwerfteller, -becher oder -besteck aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen verboten. Das Gleiche gilt für Einwegteller und -schalen aus Pappe, die nur zu einem geringen Teil aus Kunststoff bestehen oder mit Kunststoff überzogen sind.

Weiterhin erlaubt sind Wegwerfprodukte aus oder mit Kunststoff wie beispielsweise Feuchttücher und bestimmte Hygieneartikel, Zigaretten mit kunststoffhaltigen Filtern oder Wegwerfgetränkebecher. Diese Produkte bekommen allerdings ein Kennzeichen, das vor Umweltschäden durch Plastik warnt und Verbraucher*innen über die richtige Entsorgung informiert.

(Quelle: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/einwegplastik-wird-verboten-1763390)

Wozu braucht es ein Einwegplastikverbot?

Langfristig ist ein Wandel angestrebt, von dem das EU-Plastikverbot ein Teil ist. Die Nutzung von Plastik im Allgemeinen soll drastisch gesenkt werden, um den Klimawandel aufzuhalten und die Verschmutzung der Meere und der Umwelt durch Plastik zu verhindern.

Die Produkte, die dabei am ineffektivsten genutzt werden, markieren den Anfang. So ist das neue EU-Plastikverbot eine Weiterführung des Plastiktütenverbots von 2015. Damals wurde beschlossen, dass Einwegplastiktüten nur noch gegen Bezahlung ausgegeben werden dürfen, um die Hemmschwelle der Nutzung zu erhöhen.

Cups

Und die statistischen Zahlen untermauern das Einwegplastikverbot:
- Pro Stunde werden allein in Deutschland 320.000 Einweg-Becher für heiße Getränke verbraucht.
- Die Abfall-Bilanz von Einweggeschirr und To-Go-Verpackungen betrug im Jahr 2017 mehr als 346.000 Tonnen.
- Die Menge der Kunststoffabfälle insgesamt lag 2017 bei 6,15 Millionen Tonnen.

(Quelle: https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/einwegplastik-wird-verboten-1763390)

Welche wirtschaftlichen Folgen sind zu erwarten?

Cups Wie bereits oben erwähnt dürfen die genannten Produkte nicht mehr produziert werden, Restmengen jedoch weiterhin vertrieben werden. Das hat zur Folge, dass Hersteller und gewerbliche Abnehmer der Plastik-Einwegprodukte ihre Produktion umgestalten müssen und auf nachhaltigere Alternativen zurückgreifen müssen.

Dank einer 2-jährigen Vorlaufzeit seit dem Beschluss des Gesetzes und der Möglichkeit, bereits produzierte Ware weiter zu vertreiben, wird den Betrieben eine Schonfrist gewährt. Die Betriebe hatten also genug Zeit, sich an die neuen Gesetze anzupassen.

Dadurch, dass die betroffenen Produkte so gut wie gar nicht in Deutschland hergestellt werden, ist die Relevanz für die deutsche Kunststoffindustrie nicht besonders hoch. Die wirtschaftlichen Folgen sind, zumindest in Deutschland, also sehr überschaubar.

(Quelle: https://www.wlw.de/de/inside-business/aktuelles/das-einwegplastik-verbot-und-seine-folgen)

Welche Alternativen gibt es?

Cups Da sich das Verbot zunächst nur auf Produkte bezieht, die sich ohne großen Aufwand durch plastikfreie Artikel austauschen lassen, ist das Umsetzen für die Unternehmen sehr einfach. Es gibt bereits viele alternative Rohstoffe und Produktionsprozesse und jeden Tag wird die Auswahl größer. Insbesondere in der Gastronomie ist die Auswahl an alternativen Verpackungsmöglichkeiten groß. Zu den alternativen Rohstoffen zählen zum Beispiel Pappe, Papier, Bambus oder essbare Materialien (z.B. Strohhalme aus Nudeln).

Eine beliebte alternative Möglichkeit, Plastik zu ersetzen, bietet der Rohstoff Bagasse. Dies ist ein Abfallprodukt der Zuckerproduktion und besteht aus den getrockneten Fasern des Zuckerrohrs. Produkte aus Bagasse sind wasserfest, fetten nicht durch und sind sogar im Ofen oder in der Mikrowelle verwendbar. Außerdem sind sie geschmacksneutral, leicht zu transportieren und zu lagern sowie frei von Schadstoffen und geben Im Laufe ihres Abbau-Prozesses sogar Nährstoffe an die Umwelt ab.

Fazit

Das EU-Plastikverbot ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Es bietet viele schwerwiegende Vorteile, wie zum Beispiel: geringere Umweltbelastung, Schutz der Ökosysteme in Meeren und an Land, geringere Mikroplastikbelastung für Tier und Mensch oder den nachhaltigeren Umgang mit begrenzten Ressourcen.

Das Verbot allein reicht aber noch nicht aus. Es ist weiterhin unumgänglich, viele Produkte aus Plastik herzustellen, da es für diese noch keine adäquaten Alternativen gibt

Das Verbot allein reicht aber noch nicht aus. Es ist weiterhin unumgänglich, viele Produkte aus Plastik herzustellen, da es für diese noch keine adäquaten Alternativen gibt

Insgesamt ist das Verbot aber positiv zu sehen. Plastikmüll wird nicht mehr verharmlost, sondern als umweltschädlicher Faktor anerkannt. Deshalb kann man sagen, dass die EU mit dem Plastikverbot mehr als nur ein Zeichen setzt und den ersten Schritt in Richtung plastikärmerer Zukunft geht.

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Übrigens: Mit dem Kauf bei ReUse and Trade können unnötige Neuproduktionen von Kunststoffen und anderen Materialien verhindert und so ein wichtiger Beitrag für den Umweltschutz geleistet werden.