Circular Economy – Kreislaufwirtschaft als Grundprinzip für zukunftsorientierte Unternehmen

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Carina Loges
January 13, 2021 6 min read
subzero cool peeps

Klimaneutralität bis 2050? Das plant die EU. Aber ist das machbar?
Eins ist klar: Dafür müssen Unternehmen und Konsumenten ihren Lebensstil ändern! Weg von der linearen Wirtschaft - hin zur Kreislaufwirtschaft. Weg von einer Wegwerfgesellschaft - hin zum Prinzip Reduce Reuse Recycle.

Was ist lineare Wirtschaft und wieso ist sie nicht zukunftsfähig?

Rohstoffe und Materialien werden immer knapper. Trotzdem werden diese in energieaufwändigen Prozessen zu Produkten gefertigt, die nach kurzzeitigem Benutzen direkt wieder entsorgt werden. Die Ressourcen werden der Wirtschaft und Umwelt damit unwiderruflich entzogen und der Bedarf an neuen Produkten wird stetig geschaffen.

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Lineare Wirtschaft ist die Art und Weise, wie die meisten Unternehmen bisher wirtschaften. Zeit und Geld soll damit gespart werden. Doch nach einer langen Phase der Entwicklung und des Wachstums, beginnt die Ära der linearen Wirtschaft Zeichen von Schwäche zu zeigen. Der Anstieg des Konsums durch das Bevölkerungswachstum führt zur Erschöpfung von Reserven unverzichtbarer Rohstoffe und zur unkontrollierten Erzeugung von Abfallstoffen. Die aktuelle Lebensweise mit der derzeitigen Wegwerfmentalität muss dringend überdacht werden. Die neue Hoffnung für eine nachhaltige Wirtschaft ist die Kreislaufwirtschaft.

Was ist Kreislaufwirtschaft?

Der Grundgedanke der Kreislaufwirtschaft ist, die Nutzungsdauer von Produkten und Materialien zu verlängern. Damit wird die Entsorgung dieser Produkte und der Bedarf an neuen Produkten hinausgezögert. Durch die Verwendung von langlebigen Produkten, sowie die Instandhaltung und Reparaturen von Materialien kann dieses erzielt werden. Ressourceneinsatz, Energieverbrauch und Abfälle werden so aufgrund der geringeren Nachfrage nach neuen Produkten im Idealfall auf ein Minimum reduziert.

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Die moderne Kreislaufwirtschaft, auch Circular Economy genannt, ist definiert durch die R-Strategien, bestehend aus Redesign, Reduce, Recycle und Reuse. Bereits bestehende Materialien und Produkte werden so lange wie möglich repariert, aufgearbeitet, geteilt, geleast, recycelt und wiederverwendet.

Lineare Wirtschaft vs. Kreislaufwirtschaft

Der Unterschied zur linearen Wirtschaft wird damit klar: Lineare Wirtschaft intensiviert den Konsum billiger Massenmaterialien, welche leicht zugänglich sind und schnell wieder entsorgt werden. Die Kreislaufwirtschaft hingegen setzt ausschließlich auf nachhaltige Materialien und Produkte und nutzt diese so lange wie möglich, wodurch Abfälle auf ein Minimum reduziert werden. Das Cradle-to-Cradle Prinzip (dt. „von der Wiege zur Wiege“) ist die Best-Practice Kreislaufwirtschaft Methode, denn sie beschreibt eine unendliche Zirkulation von Materialien und Nährstoffen in Kreisläufen. So gewährleisten wir auch nachfolgenden Generationen die gleichen Möglichkeiten, die wir alle bisher haben und hatte. Diese Generationen sollen nicht vor einem riesigen Müllproblem stehen, welches wir verursacht haben. Sie sollen nicht vor einem Rohstoffmangel stehen, weil wir uns übersättigen. Und ganz besonders sollen sie nicht mit einer Vielzahl von Naturkatastrophen zu kämpfen haben, weil wir den Klimawandel nicht rechtzeitig gestoppt haben.

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Wie kann eine Kreislaufwirtschaft ermöglicht werden?

Gesellschaft und Wirtschaft müssen einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen erlernen. Die deutsche Textilfirma PUMA ist eine der ersten Unternehmen, die sich dem neuen Blickwinkel gewidmet haben. Sie haben ihr Design komplett geändert und 2013 eine neue Kollektion auf Grundlage des Cradle-to-Cradle Prinzips auf den Markt gebracht. Diese Kollektion bestand ausschließlich aus biologisch abbaubaren oder recycelbaren Materialien.

Neue technologische Lösungen werden bereits diskutiert und entwickelt, um die Durchführung der Kreislaufwirtschaft zu ermöglichen. In der Medizin wurde zum Beispiel ein neues modulares Saug- und Spülsystem entwickelt, um weniger Elektronikschrott entstehen zu lassen und Produkte länger brauchbar zu machen. Hierzu wurde das Produktdesign komplett überdacht, mit dem Ergebnis, dass nun alle Teile ohne direkten Patientenkontakt wiederverwendet werden können. Der Ressourceneinsatz wird so minimiert und die Nutzungsdauer erhöht. Die Materialien werden sinnvoll wiederverwendet durch Substitution von Primärrohstoffen und der Verwendung von bereits genutzten Komponenten. Ebenfalls werden eigene Recyclingstrukturen zur materiellen Verwertung entwickelt.

Kreislaufwirtschaft ist ein langfristiges gesamtgesellschaftliches Zukunftsprojekt. Durch gemeinsame Anstrengungen können wir die Welt langfristig verändern und zu einem umwelt- und klimafreundlichen, gesunden und sauberen Ort werden lassen.

Warum brauchen wir eine Kreislaufwirtschaft?

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Welche Vorteile ergeben sich aus der Kreislaufwirtschaft?

Dank Circular Economy und dazugehörige Maßnahmen wie Abfallvermeidung und Ökodesign, können jährliche Einsparungen von rund 8% des Umsatzes in einem Unternehmen erzielt werden. Allein in europäischen Unternehmen würden so knapp 600 Milliarden Euro gespart und zusätzlich Treibhausgasemissionen um 2 - 4 % reduziert werden. Unternehmen werden zudem innovativer und wettbewerbsfähiger. Dadurch verbessert sich das Beschäftigungsverhältnis, Arbeitsplätze werden geschaffen und die Wirtschaft wird weiter ausgebaut. In einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft profitieren sowohl Verbraucher als auch Unternehmer von den langlebigeren und innovativeren Produkten.

Die Umstellung zu einer Kreislaufwirtschaft bringt aber vor allem auch viele Vorteile für die Umwelt. Bei ständig wachsender Weltbevölkerung kann so die Rohstoffversorgung gesichert, der Klimawandel abgemindert und gleichzeitig das globale Müllproblem gelöst werden.

Was können wir nun mitnehmen?

Der Übergang von linearer Wirtschaft zur Kreislaufwirtschaft ist eine Systemrevolution. Ein Wechsel unseres Wirtschafts- und Konsumsystems ist notwendig, um auch zukünftigen Generationen eine Welt und eine Wirtschaft, wie wir sie kennen, zu sichern. Dabei muss auf langlebige, reparierbare Produkte gesetzt werden statt auf günstige Massenproduktion. Auch die Europäische Kommission setzt sich mit ihrem Maßnahmenpaket des Green Deals für die Umsetzung der Kreislaufwirtschaft ein. Gelingt uns der Sprung in diese neue Form der Wirtschaft, wird es kein Problem sein, eine wachsende Weltbevölkerung zu versorgen und gleichzeitig einen hohen Lebensstandard und eine starke Wirtschaft beizubehalten.